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Scott Turow : The Burden of Proof
Stilistisch sehr viel anspruchsvoller als sein Kollege Grisham nutzt Scott Turow ebenfalls sein Insider-Wissen als Anwalt für seine Romane mit Schwerpunkt auf Gerichtsverfahren, AnwältInnen und schwierige KlientInnen. Bei diesem Buch liegt der Schwerpunkt aber weniger auf den Geschehnissen im Gerichtssaal als auf Ereignissen zwischenmenschlicher Natur. Ist auch OK, aber ein wenig zu langatmig geraten.
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Joey Goebel : Commonwealth
Ein absolut brillanter Roman von Joey Goebel über die USA und ein richtig gut gelungenes Sittenbild. Hervorragende Story, auszeichnete Dialoge, gut aufgebaut, überraschende Wendungen. Literaturherz, was willst du mehr?
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Daniel Kehlmann : Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten
Daniel Kehlmanns neues Buch ist zwar weder ein Roman noch handelt er durchgehend von Ruhm, aber dessen ungeachtet macht er deutlich, dass Kehlmann das "Handwerk" des Erzählens sehr gut beherrscht. Dennoch bliebe wohl kaum eine Geschichte in Erinnerung, wenn da nicht diese eine wäre: "Im Osten."
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Thomas Glavinic : Das bin doch ich
Thomas Glavinics Roman handelt über die alltäglichen Neurosen und Peinlichkeiten eines Autors namens Thomas Glavinic. Gleichzeitig hat der eine mit dem anderen anscheindend nichts zu tun, meint der echte Thomas Glavinic. Witzig beschrieben, bedient das Buch trotz der weitestgehenden Belanglosigkeit voyeuristische Bedürfnisse. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
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Stephen L. Carter : New England White
Diesen Roman von Stephen Carter fand ich während der Lektüre zwar enorm spannend, rückblickend finde ich aber, dass einige Handlungsstränge offen gelassen wurden und das Ganze in sich wenig schlüssig ist. Die Stärke liegt eindeutig in der Behandlung der Diskriminierung von AfroamerikanerInnen in den USA.
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Jhumpa Lahiri : Interpreter of Maladies
Gut, aber in meinen Augen weit nicht so überragend wie ihr Roman "The Namesake" ist dieser Kurzgeschichtenband von Jhumpa Lahiri, der ihr im Jahr 2000 den renommierten Pulitzer Prize einbrachte.
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Jhumpa Lahiri : The Namesake
Grandios ist dieser Roman von Jhumpa Lahiri über eine indischstämmige Familie an der amerikanischen Ostküste. Mit viel Empathie für ihre Figuren und ganz ohne langweilige anthropologische Exkurse entwirft die Autorin ein faszinierendes Bild der Widersprüche. Wunderbarer Stil - unbedingt lesen!
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Philip Roth : American Pastoral
Dieser Roman über ein anscheinend perfektes amerikanisches Leben, unter dessen Oberfläche ein Abgrund in Gestalt einer aus der Bahn geratenen Tochter lauert, hat Philip Roth den Pulitzerpreis eingebracht. Mich hat dieses Buch überhaupt nicht überzeugt. Dass der Mann schreiben kann und stilistisch einiges drauf hat, ist unbestritten - recht viel mehr gibt dieser Roman aber nicht her.
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Suzanne Glass : The Interpreter
Leider ein absolut nicht lesenswertes Buch über eine Dolmetscherin von Suzanne Glass. Auch wenn der Beruf treffend, wenngleich negativ dargestellt wird, geht es der Autorin letztlich darum, eine weitestgehend uninteressante Liebesgeschichte zu erzählen. Dazu hat sie ihr Erstlingswerk mit bemühter Symbolik und überkandidelter Deutelei überladen. Ein echter Jammer.
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Jaime Bayly : Y de repente, un ángel
Wunderbarer, zutiefst menschlicher Roman des Peruaners Jaime Bayly über das Überwinden gesellschaftlicher Schranken, die Kraft des Verzeihens und familiäre Bande, dargestellt an der Freundschaft zwischen einem gutsituierten Schriftsteller und einer einfachen Hausangestellten. Klingt kitschig, ist es aber überhaupt nicht. Ein Buch, das Spuren hinterlässt.
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Stewart O'Nan : Last Night at the Lobster
Schöne Literatur-Miniatur von Stewart O'Nan, deutscher Titel "Letzte Nacht". Stilistisch sehr gelungener Roman über den letzten Tag/Abend eines Restaurants und die dort arbeitenden Menschen. Kann symbolisch gelesen werden - oder aber einfach nur als ein schönes Stück Literatur mit Tiefgang und einer eher entbehrlichen Liebesgeschichte.
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Xavier Velasco : Diablo Guardián
Eine atemlose, ziemlich abgefahrene Geschichte über das wilde Leben einer jungen Mexikanerin, die sich in die USA durchschlägt und sich dort als Prostituierte verdingt. Streckenweise recht gut zu lesen, aber über insgesamt 600 Seiten zieht sich das Ganze dann schon sehr in die Länge.
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Augusten Burroughs : Running with Scissors
Wer eine schwierige Kindheit hatte, möge sich diese Memoiren von Augusten Burroughs zu Gemüte führen und wird sich dabei unmittelbar besser fühlen. Inhaltlich schockierend, dabei witzing und pointiert geschrieben, beweist der Autor, dass man auch unter widrigsten Umständen sein Leben meistern kann.
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Isabel Allende : La suma de los días/Das Siegel der Tage
Hin- und hergerissen bin ich nach der Lektüre dieser Memoiren von Isabel Allende: Auch wenn ich die oft sehr persönlichen Einblicke in das Leben dieser hervorragenden Autorin schätze, wünsche ich mir dann doch bald wieder ein nicht autobiografisch gefärbtes Buch von ihr, in dem sie zur literarischen Höchstform ihrer Anfangszeiten zurückkehrt.
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Richard Powers : The Echo Maker
Richard Powers macht eindrucksvoll vor, wie man eine im Grunde gute Romanidee schlicht und ergreifend in den Boden schreiben kann. Er wollte einen Roman über die Dehnbarkeit des eigenen Ich schreiben - herausgekommen ist eine sich endlich dahinziehende Geschichte über ein Unfallopfer, das seine Schwester für eine Betrügerin hält. Weitestgehend uninteressant, aber immerhin mit poetischen Momenten.
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Roland Sedivy : Arsen, Strychnin und Co – Giftattentate in Österreich
Wie heißt es doch im Volksmund so schön? Der Pathologe weiß alles, aber leider zu spät. Genau daran lässt Sedivy den Leser in seinem Buch teilhaben. Wer nun einen (im wahrsten Sinne des Wortes) todlangweiligen und trockenen Abriss aus dem Arbeitsalltag des Pathologen erwartet, wird bitter enttäuscht. Bereits von der ersten Seite an fesselt ein für die Thematik ungewöhnlich frischer Stil genauso sehr wie der Inhalt selbst. Gekonnt formuliert werden längst vergessene Fälle aus der jüngeren, aber auch älteren österreichischen Geschichte aufgerollt, die man (fast) schon vergessen hatte. Und ja, Sedivys Schreibstil hat mich während der gesamten Lektüre mehr als nur einmal schmunzeln lassen.
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Allen Bennett : Die souveräne Leserin
Alan Bennett, ein in Deutschland eher unbekannter englischer Dramatiker, hat ein ganz wunderbares Buch über die Queen und ein ganz wunderbares Buch über die (subversiven) Wirkungen des Lesens geschrieben. Zwar schaut Queen Elisabeth ganz neugierig vom typisch roten Buchcover des Wagenbachverlags, ihr Name oder der ihres Gatten oder ihrer Kinder wird im Buch jedoch niemals erwähnt. Und so ist das Buch eine Phantasie darüber, was passieren würde, wenn eine Queen das Lesen entdeckte.
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Jean-Marie Gustave Le Clézio : Étoile errante/Fliehender Stern
Kein Scherz: Le Clézio habe ich schon länger im Bücherregal, aber jetzt habe ich ihn aus gegebenem Anlass gelesen. Gleichzeitig sehr poetisch und politisch, absolut eines Nobelpreisträgers würdig, dabei einfach zu lesen. Es geht, unter anderem, um den leider immer wieder und derzeit besonders aktuellen Nahost-Konlifkt.
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Salman Rushdie : Des Mauren letzter Seufzer
Eine Enttäuschung auf der ganzen Linie bescherte mir diese Familiensaga von Salman Rushdie, die gekünstelt lange Sätze, reichlich uninteressante Intrigen und nur peripher spannende Einblicke in die jüngere Geschichte Indiens bietet.
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Jonathan Littell : Die Wohlgesinnten
Extrem starker Tobak, aber gerade für Angehörige der Täternationen eine sicher wichtige Lektüre: Jonathan Littells umstrittener Roman über die Verbrechen der Nazis, erzählt aus der Täterperspektive eines SS-Offiziers. 1.359 Seiten, die schwer in den Händen und über weite Strecken sehr stark im Magen liegen. Bei der Lektüre Alkoholvorrat parat halten!
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Andrea de Carlo : Das Meer der Wahrheit
Im neuesten Roman von Andrea de Carlo kommen wieder seine Stärken zum Vorschein, nämlich die Beschreibung von Personen, die ein bisschen "aus der Welt" gefallen sind. Hinzu kommt in diesem Roman noch ein starkes Thriller-Element, das aber letztlich nicht zu hundert Prozent überzeugt. Ein ungleiches Brüderpaar, ein brisantes Erbe, italienische Verhältnisse und eine Flucht übers Meer - spannende Lektüre, aber inhaltlich nicht überragend.
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Michael Köhlmeier : Idylle mit ertrinkendem Hund
Bewundernswert, wie es Michael Köhlmeier hier erstmals gelingt, über den Verlust eines geliebten Menschen - seiner Tochter Paula - zu schreiben. Vordergründig geht es um die Beziehung des Autors zu seinem Lektor, während er auf der Metaebene offen über seinen Schmerz und die wohl nie heilenden Wunden schreibt. Ein berührendes, intimes, behutsames Buch.
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Carlos Ruiz Zafón : El juego del ángel/Das Spiel des Engels
Die Latte lag sehr hoch - vier Jahre nach seinem fulminanten "Der Schatten des Windes" legt Carlos Ruiz Zafón ein atmosphärisch ähnliches Buch vor, in dem auch der "Friedhof der vergessenen Bücher" seinen Auftritt hat. Leider schießt der Autor hier in Sachen Magie und Mystik stark über das Ziel hinaus - zurück bleiben Ernüchterung und bitter enttäuschte Erwartungen. Jammerschade.
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Joyce Carol Oates : The Falls
Mein erster Roman der Grande Dame der amerikanischen Literatur, Joyce Carol Oates. In "The Falls" erzählt sie eine zum Scheitern verurteilte Familiengeschichte, mit subtiler Feder, viel Gespür für menschliche Entwicklungen und wunderbarem Stil. Anspruchsvolle Literatur und gleichzeitig sehr spanennd zu lesen.
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Paul Auster : Man in the Dark
Paul Austers neuesten Roman fand ich bei der Lesung in Wien wenig berauschend. Jetzt habe ich ihn gelesen und er gefiel mir schon deutlich besser. Auch wenn mich der Inhalt hier nicht so vom Hocker reißt, eines ist klar: Dieser Mann kann schreiben.
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