Buchrezension
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Y de repente, un ángel

Autor: Jaime BaylyISBN: 840806312X

Dieser Roman, der bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurde, gehört zu den berührendsten, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Darin erzählt der peruanische Autor Jaime Bayly in der Ichform von einem Schriftsteller (Julián), dessen Haus ein einziges Chaos ist und der sich aufmacht, eine Haushaltshilfe zu suchen, um regelmäßig bei ihm sauberzumachen. Er engagiert letztlich die rund 50-jährige Mercedes, die zwar weder lesen noch schreiben kann, aber mit hoher emotionaler Intelligenz gesegnet ist, von der sich Julián eine dicke Scheibe abschneiden kann. Anfangs ist Mercedes, in ganz klassischer Hausmädchenmanier, richtiggehend unterwürfig, was auch an den schlechten Erfahrungen liegt, die sie gemacht hat, seit sie als 10-Jährige von ihrer Mutter verkauft (!) wurde. Dennoch hegt sie keinen Groll gegen ihre Eltern, weil sie weiß, dass sie es aus reiner Not taten. Animiert durch Julián, der sie großzügig finanziell unterstützt, beschließt sie, ihre Mutter aufzuspüren. Sie machen sich gemeinsam auf den Weg in die Provinz und finden letztlich jemanden, der Mercedes’ Mutter sein könnte oder auch nicht. Diese alte Frau ist abweisend und barsch, aber dennoch fühlt sich Mercedes sofort wie zu Hause und beschließt zu bleiben. Schweren Herzens kehrt Julián zurück nach Lima, wo er sich schließlich ein Beispiel an Mercedes nimmt, die ihm vorgemacht hat, dass Verzeihen möglich ist. Vor einigen Jahren hatte er sich mit seinem Vater wegen einer Erbstreitigkeit überworfen. Zwar fällt es ihm sehr viel schwerer als Mercedes, aber er schließt dann doch Frieden mit seinem Vater, kurz bevor dieser an Krebs stirbt. Was kitschig klingen mag, hat überhaupt nichts mit der religiösen Propaganda à la Paolo Coelho zu tun, sondern ist vielmehr ein zutiefst menschliches Buch, mit einer sehr leicht wirkenden Feder geschrieben, die dennoch sehr viel Tiefgang hat. Mit wenigen Pinselstrichen entwirft Bayly Situationen und Charaktere. Dieser Roman, der für den Preis „Premio Planeta 2005“ nominiert war, hat mich schwer beeindruckt und gehört sicherlich zu den wenigen Büchern, die langfristig Spuren hinterlassen. Eine wunderschöne Ode an das Gute im Menschen, an die Kraft des Verzeihens und an das Überwinden gesellschaftlicher Schranken am Beispiel eines gutsituierten Schriftstellers und einer Hausangestellten. Wer des Spanischen mächtig ist, sollte dieses Buch unbedingt lesen!

 

Bewertung:Rezension: Dagmar Jenner
Seite drucken 2009-07-09

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