Buchrezension
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The Namesake

Autor: Jhumpa LahiriISBN: 0618485228

 

All meine Erwartung erfüllt und übertroffen hat dieses wunderbare Buch der Inderin Jhumpa Lahiri, deren Erstlingswerk – ein Kurzgeschichtenband – mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet wurde. „The Namesake“, deutscher Titel „Der Namensvetter“, ist ihr zweites Werk – und quasi wie für mich geschaffen, die ich in den letzten Jahren einfach schon zu viele Familien-Einwanderungsgeschichten gelesen habe. Denn diese Story ist alles andere als langatmig und wühlt nicht, wie viele vergleichbare Werke, in lang vergangenen Jahrhunderten, sondern spielt fast ausschließlich in der Jetztzeit. Hauptperson ist Gogol Ganguli, der durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle mit seinem Kosenamen „Gogl“, nach dem russischen Schriftsteller, durchs Leben gehen muss, und dessen Familie. Ein Namensschicksal, das er mit der mit einem für westliche Verhältnisse unaussprechlichen Namen bedachten Autorin teilt, die in einem Interview sagte: „I always felt so embarrassed by my name... You feel like you're causing someone pain just by being who you are.” Im Buch liest sich das so: „But he doesn’t want to tell Kim his name. He doesn’t want to endure her reaction, to watch her lovely blue eyes grow wide. He wishes there were another name he could use, just this once, to get him through the evening.”
Jedenfalls beschreibt Jhumpa Lahiri in diesem sehr kurzweiligen Roman die Geschichte Gogols Eltern (und dann dessen eigene), die kurz nach der arrangierten Ehe in die USA gingen, wo Gogol aufwuchs, der mit Calcutta letztlich eher wenig anfangen kann und alle paar Jahre die endlosen Sommer dort über sich ergehen lässt. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen und vor allem sehr viel Empathie für alle ihre Personen beschreibt die Autorin ein Leben der Widersprüche, hin- und hergerissen zwischen mitgebrachten Traditionen und dem amerikanischen Leben: „For being a foreigner, Ashima is beginning to realize, is a sort of lifelong pregnancy – a perpetual wait, a constant burden, a continuous feeling out of sorts. It is an ongoing responsibility, a parenthesis in what had once been ordinary life, only to discover that that previous life has vanished, replaced by something more complicated and demanding. Like pregnancy, being a foreigner, Ashima believes, is something that elicits the same curiosity from strangers, the same combination of pity and respect.“
Das Buch kommt ganz ohne schwerfällige anthropologische Exkurse aus und überzeugt  mit absolut makellosem Stil – sehr selten kommt es vor, dass ich tatsächlich in ein Buch, dessen Menschen und Leben „eintauchen“ und mich dort verlieren kann: Besonders die ersten 100 Seiten fand ich faszinierend, danach gab es für mich, ganz subjektiv, einen kleinen Durchhänger, wonach es wieder sehr, sehr lesenswert weiterging. Störend fand ich den übertrieben konservativen Part, wo eine Ehe wie selbstverständlich an einem Seitensprung der Frau scheitern muss.
Jhumpa Lahiri, anders als viele ihrer männlichen Schriftstellerkollegen, begeht nicht den Fehler, ihre Geschichte endlos in die Länge zu ziehen. Nach 291 bestechenden Seiten ist Schluss und die Leserin klappt das Buch zu, mit dem Gefühl, eine absolut bereichernde Lektüre hinter sich zu haben. Unbedingt lesen!

 

Bewertung:Rezension: Dagmar Jenner
Seite drucken 2009-08-03

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