Buchrezension
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The Interpreter

Autor: Suzanne GlassISBN: 0345450248

Wäre mir das Buch in einem Buchladen in die Hände gefallen, hätte ich es niemals gekauft – zu reißerisch war die Beschreibung auf der Rückseite: „…a heady mix or romance and intrigue“ steht da zu lesen. Das ist nun wirklich überhaupt nicht mein Ding.
Tatsächlich wurde ich kürzlich in einem Sammelband über die Darstellung von ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen in der Literatur auf dieses Buch aufmerksam. Meine Neugierde war geweckt und das Buch bei Amazon bestellt. Die Hauptrolle spielt eine Simultandolmetscherin namens Dominique, vielsprachig, mit französischer Mutter und britischem Vater.
 
Laut Klappentext „Dominique slowly begins to develop her own voice while speaking to Nicholas“. Während sich dieses angebliche Stimme-Finden hauptsächlich darin widerspiegelt, dass sie diesen Nicholas um seinen Job bringt, ist es für mich erschreckend, dass die Hauptfigur als jemand ohne Stimme dargestellt wird, als sei dies eine logische Konsequenz ihrer Arbeit – und dass obendrein ein Mann daherkommen muss, um dank einer wundersamen Fügung aus der ansonsten als sehr starke Frau porträtierten Dominique jemanden mit „eigener Stimme“ machen soll, was auch immer das heißen soll. Das finde ich so kitschig wie für starke Frauen beleidigend – und ausgerechnet von einer Frau geschrieben! Darüber hinaus trieft dieser Erstlingsroman vor bemühter Deutelei und überladener Symbolik, wo jeder Geste, jedem Wort ein tieferer, aber fast immer forciert wirkender Sinn zugewiesen wird. Es scheint mir, als ob die Autorin auf Biegen und Brechen massenweise Symbolik rund um Stimme, Wörter und Sprache angehäuft hat, um dieser im Grunde wenig interessanten Liebesgeschichte Substanz zu geben.
 
Die Story über ein neues AIDS-Medikament, in die sie das Ganze eingebettet hat, wirkt streckenweise stark an den Haaren herbeigezogen. Aber all das dient nur als Staffage für die erwähnte Liebesgeschichte, deren Ausgang klugerweise offengelassen wird.
 
Letztlich wirkt es auch etwas peinlich, dass die Autorin in der Kurzbiografie hinten im Buch selbst als ehemalige Dolmetscherin und „fluent in seven languages“ beschrieben wird, einige der deutschen Passagen aber vor Fehlern – nicht nur Kommafehlern - strotzen (aus einem im Roman zitierten Brief): Aber nun setze ich mich hin und schriebe [sic] Dir. Ich bin jetzt in dem halbdunkelen [sic] Esszimmer an dem langen braunen Tisch wo wir so oft zusammen geübt haben. […] Ist es möglich dass es erst sieben oder acht Monate her ist? Es scheint doch wie ein Leben.
 
Summa summarum: Treffende, wenn auch oft negative Beschreibung des Berufs der Simultandolmetscherin, aber ansonsten weitestgehend uninteressanter und überkandidelter Roman.

Bewertung:Rezension: Dagmar Jenner
Seite drucken 2009-07-10

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