Buchrezension
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Running with Scissors

Autor: Augusten BurroughsISBN: 031242227X

Augusten Burroughs, mit bürgerlichem Namen Chris Roberts, hat eine sehr witzige, locker-leichte und gleichzeitig spitze Feder. In diesem Buch, auf dessen Cover „Memoir“ steht, geht es ans Eingemachte, nämlich an seine völlig verkorkste Kindheit. Ausgestattet mit einer psychotischen Mutter, einem stets alkoholisierten Vater und einem älteren Bruder, der bald das Weite sucht, hat der Icherzähler Augusten nicht die allerbesten Startvoraussetzungen in ein erfolgreiches Leben. Seine Mutter gerät in eine gefährliche Abhängigkeit von einem Psychiater, der zwar einen Titel hat, letztlich aber ein schlimmer Scharlatan und ein christlicher Fundi ist. Letztlich gibt die Mutter ihren Sohn dann in die Obhut dieses Psychiaters und Augusten zieht in ein ziemliches Irrenhaus ein. Ohne jegliches Selbstmitleid und äußerst pointiert schildert der Autor seiner Erlebnisse in dieser völlig durchgeknallten Familie – es ist mal davon auszugehen, dass sich das Allermeiste so zugetragen hat, denn so etwas wäre wirklich sehr schwer zu erfinden. Familie Finch lebt wie in einem Schweinestall, der Vater ist auf seine eigenen Exkremente fixiert und glaubt in ihnen Botschaften Gottes zu lesen, die zahlreichen Kinder und adoptierten Kinder gehen keiner geregelten Tätigkeit nach, beschimpfen sich in den wüstesten Tönen usw. Zwar hat der Autor die Namen geändert, was die betreffende Familie nicht daran gehindert hat, ihn zu verklagen. Es kam zu einer außergerichtlichen Einigung, wobei die gesamte Angelegenheit wohl nicht zum Nachteil des Bekanntheitsgrades des Buches war. Gut so, denn es ist ein wirklich lesenswertes Buch über das Überleben trotz widriger Umstände, über Selbstbehauptung der eigenen Identität (Augusten ist homosexuell) und über die Kunst, den Humor nicht zu verlieren. Das Buch, das über zwei Jahre auf der Bestseller-Liste der New York Times stand, hat den Autor in die erste literarische Liga katapultiert und wurde bereits verfilmt. Stilistisch erinnert mich Augusten Burroughs an David Sedaris, mit dem Unterschied, dass Ersterer nicht so stark zur Selbstveräppelung neigt und mehr Tiefgang hat als sein Kollege.

Bewertung:Rezension: Dagmar Jenner
Seite drucken 2009-07-06

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