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Les falsificateurs
Autor: Antoine Bello ISBN: 2070355276
Von diesem französischen Buch, das bisher weder ins Deutsche noch ins Englische übersetzt wurde, habe ich bei einer Literatursendung im französischen Fernsehen gehört. In einer Buchhandlung in Nizza ist es mir dann ins Auge gestochen. Der Spontankauf hat sich als sehr guter Griff erwiesen.
Der in den USA lebende Franzose Antoine Bello entwickelt hier im klassischen Thriller-Stil, ohne allzu viele stilistische Subtilitäten, einen packenden Roman, der voll aus unserer Zeit gegriffen ist. Eine Organisation, die in ihrer Verschwiegenheit an die "Firma" bei John Grisham erinnert, dabei aber weit nicht so repressiv ist wie ebendiese, nimmt Fälschungen an der Wirklichkeit vor – viele davon betreffen die Vergangenheit, etwa, dass Hernán Cortés, der Eroberer Mexikos, nicht getauft wesen sei und dennoch die mexikanische Urbevölkerung mangels ihres christlichen Glaubens dahingemetzelt habe. Andere Aktionen wiederum betreffen die Jetztzeit – etwa, wenn dem Diamentenmulti De Beers fälschlicherweise angedichtet wird, einen bestimmten Stamm in Botswana zu vertreiben. Alle diese Aktionen scheinen letztlich positive Ziele zu haben: Hinweis auf die Brutalität der Kirche dort und auf die illegalen Praktiken der Multis da. Worin das ultimative Ziel dieser Organisation besteht, das scheint nur die oberste Firmenetage zu wissen – und sie hütet sich, dieses Geheimnis preiszugeben. Es ist also ein bisschen wie Religion: Der Verstand muss an der Haustüre abgegeben werden und es bleibt nur die Hoffnung. Andererseits kann diese Organisation, anders als die Kirchen, durchaus auf eine sehr positive Bilanz verweisen.
Der junge isländische Uni-Absolvent Sliv Dartunghuver heuert eigentlich bei einer Firma an, die Umweltstudien durchführt. Sehr bald erfährt er aber, dass es innerhalb dieser Firma einen kleinen Kreis von Menschen gibt, die nebenher einer anderen Tätigkeit nachgehen, nämlich der oben genannten Wirklichkeitsfälschung. Diese hochgeheime Organisation nennt sich CRS (Consortium de Falsification du Réel) und nimmt nur – oh Klischee – die allerbesten, allergescheitesten und vielversprechendsten jungen Absolventinnen. In Sachen Karriere ist es bei CRS nicht anders bestellt als in anderen Firmen: Nur die Härtesten kommen nach oben.
Sliv ist so einer – er wird von Einsatzort zu Einsatzort geschickt, von Island über Argentinien bis nach Sibirien. Die Leserin ahnt, dass die Firma eine negative Seite hat und bekommt sie auch prompt serviert. Nach einem schrecklichen Vorfall verlässt Sliv die Firma, kehrt aber nach 6 Monaten wieder zurück – ihm fehlt die intellektuelle Herausforderung, die das Entwerfen von Szenarios und die dazu gehörende Fälschertätigkeit mit sich bringt, was übrigens sehr überzeugend beschrieben wird. Danach macht er einen rasanten Aufstieg innerhalb der Organisation.
Dieser Roman ist faszinierend – und natürlich kann frau es nicht erwarten zu erfahren, was denn das ultimative Ziel der Organisation ist. Ohne hier zu viel verraten zu wollen, könnte frau sagen, dass dieser Roman als Parabel über den Sinn des Lebens gelesen werden kann: Wir wissen nicht so recht, worin der Sinn besteht – aber wir hoffen, es ist ein guter.
Wenig berauschend fand ich die Tatsache, dass der Roman mit "A suivre", also "Fortsetzung folgt" endet. Ein gelungenes Buch braucht nicht unbedingt eine Fortsetzung (Trilogien wie die des brillanten Stieg Larsson ausgenommen).
Bewertung:     Rezension: Dagmar Jenner
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2009-05-18
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