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Getting a Grip on My Body, My Mind, My Self
Autor: Monica Seles ISBN: 1583333304
Monica Seles, ihres Zeichens ehemalige unumstrittene Nummer 1 des internationalen Damentennis und eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten, war wohl die erste und letzte, die während eines Turniers (in Hamburg) Opfer eines Attentats wurde. Ein irrer Steffi-Graf-Fan rammte ihr während eines Seitenwechsels ein riesiges Küchenmesser in den Rücken. Das war 1993 – zu diesem Zeitpunkt war Monica Seles auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Danach folgten körperliche und seelische Wunden und viele Aufs und Abs – davon erzählt dieses Buch, das die aus Novi Sad stammende und nun in Florida lebende Seles offensichtlich selbst geschrieben hat, ohne Unterstützung aus prominenter journalistischer Feder, wie das in solchen Fällen häufig vorkommt.
Monica Seles schildert ihren langen Weg zurück nach dem Attentat, die Fressattacken, die sie viele Jahre lang plagten, ihre verzweifelten Versuche abzunehmen, den herzzerreißenden Tod ihres Vaters und ihr Leben nach dem Tennis. Sie lässt nichts aus, weder die harten Anforderungen des Tenniszirkus noch ihre Enttäuschung nach dem Attentat, als die Sponsoren zu ihren Kolleginnen abwanderten und diese sich bei einer Sitzung fast geschlossen dafür entschieden, Monicas Position ganz oben auf der Weltrangliste nicht einzufrieren. Das Buch besticht durch seinen äußerst sympathischen Ton, durch die authentische Aufrichtigkeit, durch die Introspektion der Autorin. Monica Seles, deren sportliche Erfolge ich sehr intensiv mitverfolgt habe, wächst einem in diesem Buch sehr ans Herz. Mehr als einmal dachte ich mir: Mit so einer tollen, starken, sympathischen, liebevollen Frau wäre ich sehr gerne befreundet! Aber ich muss mich wohl damit zufrieden geben, auf Facebook ein Fan von ihr zu sein.
Jedenfalls fand ich als ehemalige ernsthafte Tennisspielerin sehr faszinierend, Einblick in den Tenniszirkus auf allerhöchstem Niveau zu bekommen – und würde gerne noch eine ganze Menge mehr wissen! Während die Beschreibungen des Lebens als Teenager auf der Tennistour nicht zu kurz kommen, liegt der Schwerpunkt auf ihrem schwierigen Comeback, auf ihrem Übergewicht, dem Tod ihres Vaters. Die Tatsache, dass Monica Seles auch nach dem Messerattentat mehrere Turniere gewann – unter anderem das Australian Open, ihren 9. Grand-Slam-Titel – und dabei knapp 20 Kilo Übergewicht mit sich rumschleppte, spricht für ihr außergewöhnliches Talent auf dem Platz.
Sehr schön beschreibt sich auch das berührend liebevolle elterliche Umfeld, in dem sie in Novi Sad aufgewachsen ist und später in Florida ebenso weiterlebte. Eine richtig normale, nette Familie, weit entfernt von Tennismama und Tennispapa, die die heutigen Tennisplätze so bevölkern.
Zusätzlich zu ihrem überragenden sportlichen Talent kann Monica Seles auch sehr gut in die Tasten hauen: Das Buch ist absolut schwungvoll erzählt, sehr kurzweilig, gut strukturiert etc. Da gibt’s nichts zu bekritteln.
Wie sie es letztlich geschafft hat, das viele Übergewicht loszuwerden – Abschied vom Tenniszirkus und dem großen Druck, bewussteres Essen, hin zu Bio und kleinen Portionen – klingt da und dort etwas zu wundersam, aber die Fotos von Monica damals und heute sprechen Bände. Sie hat tatsächlich an die 20 Kilo und 4 Kleidergrößen abgenommen und die Fressattacken gehören der Vergangenheit an. Das ist zwar an sich sehr inspirierend, bietet aber keine Anleitung zum Nachmachen an (was ja auch nicht der Sinn des Buches ist). Aller Unkenrufe in Bezug auf Memoiren berühmter Sportlerinnen zum Trotz: Das hier war das inspirierendeste Buch des heurigen Sommers! Besonders empfehlenswert für Menschen, die sich ein bisschen im Tennis auskennen, aber auch für andere absolut lesenswert!
Bewertung:     Rezension: Dagmar Jenner
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2009-07-20
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