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Der Schwarm
Autor: Frank Schätzing ISBN: 3596164532
In gewisser Weise ist Frank Schätzing der John Irving des Genres der Wissenschaftsthriller. Nämlich insofern, als er seine Geschichten in die Länge zieht.
Mit dem Hang zur Langatmigkeit erschöpfen sich aber schon die Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Autoren. Geschichten erzählen können beide. Aber Literatur mit einem gewissen stilistischen Niveau zu produzieren, das kann von den beiden nur einer. Schätzing ist es nicht. Während ich mir bei einem Wissenschaftsthriller aus der Feder eines ehemaligen Werbemenschen keine nobelpreisverdächtigen Glanzleistungen erwarte, verursacht mir die Lektüre so mancher Stilblüten deutlich mehr Magenschmerzen und Anflüge von Schreikrämpfen als das gruselige Thema. Frank Schätzing scheint das Schreibseminar "Banale Figuren, schale Dialoge, Klischees, Erstklassler-Stil & Co." mit Bravour belegt zu haben. Hier eine kleine Sammlung aus der Abteilung "Stil-Alarm":
[Samantha] Crowe schälte eine knoblauchduftende Garnele aus ihrem Panzer. […] Das Garnelenfleisch verschwand zwischen zwei Reihen ebenmäßiger weißer Zähne. (S. 46).
Oder lieber eine haarsträubende Metapher? Bitte sehr:
Seine Selbstsicherheit kehrte zurück wie eine kampfbereite Kavallerie, mit wehender Fahne und Fanfarenstößen. (S. 572).
Hilfe!!!
Natürlich ist die Grundidee des Buchs gut und passt auch hervorragend in die heutige Zeit: Die Menschheit bekommt die Rechnung für ihren sträflichen Umgang mit der Natur präsentiert. Und zwar von der Natur selbst. Ein gutes Thema, das sicherlich ein Buch wert ist, aber 400 Seiten hätten auch gereicht, um diese Botschaft zu vermitteln.
Während die Natur und alle dazu gehörigen Prozesse, biologisches und zoologisches Grundwissen und technische Details in meinen (laienhaften) Augen gut beschrieben sind (wenn auch manchmal etwas zu ausführlich), wirken die Charaktere wie mit der Schablone gezeichnet. Kaum eine der auftretenden Figuren hat so etwas wie eine eigene Persönlichkeit oder Profil. Einzig Leon Anawak und Jack Greywolf heben sich etwas von der Menge der im Buch auftretenden Wissenschaftlerinnen ab – aber vermutlich auch nur deshalb, weil ihnen der Autor sehr klischeehafte Züge gegeben hat – hier der verlorene Inuit-Sohn und dort der Möchtegern-Indianer.
Einen an sich witzigen Einfall übertreibt Schätzing bis zur Maßlosigkeit: Der namenlose amerikanische Präsident, der im Buch vorkommt, ist 1:1 George Bush nachempfunden. Das ist eine zeitlang recht lustig (vor allem Leute mit undifferenzierter USA-Antipathie dürften ihre Freude daran haben), ist auf die Dauer aber doch sehr ermüdend.
Apropos ermüdend: Ich gestehe, dass ich ab ca. Seite 500 nur noch sehr schnell und streckenweise quergelesen habe. Das hat meine Magenschmerzen etwas gelindert, weil ich die hanebüchenen Dialoge und Beschreibungen quasi nur noch mit einem Auge wahrgenommen habe.
Schlussendlich gibt es noch eine sehr eigenartige und ziemlich plötzliche Auflösung, die mich überhaupt nicht überzeugt hat. Garniert mit ziemlich viel esoterischem Blabla war der Schlamassel nach fast 1000 Seiten dann perfekt.
Fazit: Dieses Buch würde ich niemals jemandem empfehlen, der bei der Lektüre einen gewissen literarisch-stilistischen Anspruch hegt. Wem Dialoge à la Arztroman, deutliche Überlängen und unglaubwürdige Figuren egal sind, solange der Spannungsbogen (großteils) stimmt, möge unbeirrt zu "Der Schwarm" greifen. Bewertung:     Rezension: Dagmar Jenner
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2008-03-06
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