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Daemon
Autor: Daniel Suarez ISBN: 1847249442
Wieder ein Buch, das dank großen Erfolges bei Books on Demand den Sprung zu einem „normalen“ Verlag geschafft hat: „Daemon“ des amerikanischen EDV-Spezialisten Daniel Suarez. Das Thema könnte aktueller kaum sein: Es geht ums Internet, um Vernetzung, um Datensicherheit und im weitesten Sinne auch im die Frage der individuellen Freiheit.
Das Buch startet richtig stark mit unheimlichen Geschehnissen rund um den an Krebs verstorbenen Spiele-Entwickler und Multi-Millionär Mathew Sobol, der mittels cleverer Technologie, die, grob gesagt, aufs Internet zurückgreift, gewisse Ereignisse quasi aus dem Grab heraus auslöst. Das klingt so gruselig, wie es vermutlich technisch möglich ist. Der Autor hält mit seinem profunden IT-Wissen natürlich nicht hinterm Berg und überfrachtet sein Werk gelegentlich mit Spezialinformationen, die ich nicht einmal versucht habe zu verstehen. Obwohl die untote Hauptfigur Matthew Sobol Online-Spiele entwickelt hat, gibt es dankenswerterweise nur eine ausführliche Beschreibung eines solchen Spieles – das wissen vor allem Leute wie ich zu schätzen, die in den 80er-Jahren bei Pacman stehengeblieben sind.
In diesem schaurigen Szenario, das durchaus die Paranoia selbst gegenüber dem Webmenschen des eigenen Vertrauens fördert, tritt dann der Cop Peter Sebeck auf den Plan, der eine Videobotschaft von Sobol enthält, aufgenommen vor dessen Tod. Darin gesteht er einige Morde und kündigt weitere an. Es geht hoch her auf den ersten rund 200 Seiten, die Ereignisse überschlagen sich, ohne dass klar ist, was dieses tote IT-Genie von der Nachwelt eigentlich will. Eines ist sicher: Durch sein Onlinespiel rekrutiert er unzufriedene, von der Gesellschaft vergessene oder sonst wie nicht dazu gehörende Computerfreaks, die er für seine Zwecke einspannt.
Womit ich schon bei der enormen Schwachstelle dieses Romans wäre: Bis jetzt habe ich keine Ahnung, worum es diesem Matthew Sobol und seinem „Daemon“, der irgendwie die Welt dominieren soll, geht. Richtet er sich gegen illegal erworbenen Reichtum und Macht? Nein. Setzt er sich für soziale Gerechtigkeit ein? Auch Fehlanzeige. Letztlich ist es ein wild um sich schlagendes System, das so seinen unkontrollierten Lauf nimmt. Das ist bei der Lektüre ungefähr so befriedigend, wie einem Amoklauf zuzusehen.
Im dritten Teil läuft dann auch der Autor Amok und verliert sich in endlosen Phantasierereien über ferngesteuerte Monster-Autos und -Motorräder, wobei er vermutlich seine ausgeprägte Schwäche für PS-starke Gefährte verwertet haben dürfte. Am Ende geht alles drunter und drüber, technikgesteuerte Maschinen sind klüger als FBI und NSA zusammen. Auch wenn klare Schwarz-/Weißmalerei sicher nicht immer erstrebenswert ist, hatte ich am Ende keine Ahnung, wer auf welcher Seite steht und was überhaupt Sache ist.
Am Schluss machte sich bei mir allumgreifende Konfusion breit, was ich insofern jammerschade finde, als das Buch, bei allen stilistischen Schwächen, als wirklich starker Thriller gestartet war. Letztlich ist dieses Buch ein Paradebeispiel dafür, wie anfängliche Begeisterung in absolute Enttäuschung umschlagen kann.
Bewertung:     Rezension: Dagmar Jenner
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2009-04-26
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