Am Anfang ist die Mogelpackung: Auf dem Cover dieses Romans prangt eine Damenhandtasche, in der dank Röntgenblick eine Pistole sichtbar ist. Falls es Leute gibt, die Bücher wegen ihres äußeren Erscheinungsbildes kaufen – und die wird es wohl geben, ansonsten würde wohl kein Aufwand für die Covergestaltung getrieben – und sich noch dazu vom vermeintlichen Thema angesprochen fühlen, werden sie hier wohl schnell zur Kassa schreiten, mit ebendiesem Buch unter dem Arm. Doch halt: In diesem Roman kommt keine Pistole vor, nicht mal am Rande. Ein bisschen Gewalt, ja – aber keine Waffengewalt. Ich finde es sehr erfrischend, dass mal ein Autor nicht dem in meinen Augen etwas perversen Leserinnenverlangen nach Mord und Totschlag nachgibt. Anscheinend werden heute heutzutage, wenn überhaupt, hauptsächlich mehr oder weniger simpel gestrickte Storys um möglichst viele Leichen gelesen. Ist denn die Welt da draußen nicht grausam genug? Aber gut, ich komme vom Thema ab.
Der Vorarlberger Christian Mähr liefert mit diesem Roman eine über weite Strecken sehr spannende Geschichte, die mich, als ich die letzte Seite gelegen hatte, aber ziemlich ratlos zurückließ. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es hier um eine Art modernen Teufelspakt geht, wobei es hier aber keineswegs um die Seele oder ums ewige Leben geht, sondern um rein materialistische Dinge und, wie könnte es anders sein, um Liebe.
Der Roman startet stark, verliert dann ungefähr in die Mitte sein eigentliches Thema ein bisschen aus den Augen. Schade fand ich auch, dass Frauen entweder als geldgeile Intrigantinnen oder als Femmes fatales auftreten – hoffentlich ist in Christian Mährs Frauenbild auch Raum für weniger Extremes. Ansonsten treten Figuren auf den Plan, die keineswegs 100%ig sympathisch oder unsympathisch sind, was wohl "mitten aus dem Leben" gegriffen ist.
Am Schluss war ich dann reichlich verwirrt über eine religiös (esoterisch?) angehauchte Passage und auch über die Auflösung. Soll die Leserin hier erraten, was mit Ursula geschehen ist und wie sich Semmler entschieden hat? Ich finde keine Anhaltspunkte. Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.