Buchrezension
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Der letzte Weynfeldt

Autor: Martin SuterISBN: 3257066309

Martin Suter kann gar nicht schnell genug schreiben - kaum habe ich ein Buch von ihm fertiggelesen, lechze ich schon nach dem nächsten. Ich liebe seine schnörkellose, klare Sprache, sein Gespür für menschliche Beziehungen und seine immer wieder sehr spannenden Plots. Nachdem ich „Der Teufel von Mailand“ eher enttäuschend fand, kommt sein neuester Roman „Der letzte Weynfeldt“ sehr nah an meinen Suter-Favoriten „Lila, lila“ heran.

Besonders erfrischend finde ich es, dass die Hauptperson – der schwerreiche Junggeselle Adrian Weynfeldt, der, obwohl er nicht müsste, als Kunstexperte bei einem Auktionshaus arbeitet – enorm sympathisch ist, eine exzellente Kinderstube hat und sich stets zu benehmen weiß. Er behandelt seine Mitmenschen mit ausgesuchter Höflichkeit, was mir in Zeiten von Romanhelden, die sich im Kotzbrocken-Sein gegenseitig überbieten, ausgesprochen gut gefallen hat. Adrian Weynfeldt ist sich dessen bewusst, dass die Leute ihn gelegentlich ausnutzen, aber das lässt er mit eleganter Nonchalance durchgehen: „Adrian neigte überhaupt dazu, die Dinge nicht persönlich zu nehmen. Vielleicht war das ein Fehler. Vielleicht war vieles persönlicher gemeint, als er es nahm“. Er unterstützt aberwitzige Kunstprojekte, sponsort aussichtslose Filmideen und hilft, ganz am Anfang des Buches, auch der jungen Lorena aus der Patsche, die sich nämlich umbringen will. Rückblickend ist diese Anfangszene nicht ganz so schlüssig, aber alles andere ist hervorragend verwoben. Diese Lorena, jung, hübsch, viele Männer, immer knapp an der Grenze zur Prostitution, drängt sich in sein Leben und taucht zumeist dann auf, wenn sie finanzielle Hilfe braucht, was ziemlich oft vorkommt. Dann tritt ein alter Freund der Familie Weynfeldt auf den Plan, der mit Adrians Hilfe ein wertvolles Bild versteigern lassen will. Rund um dieses Bild entsteht – mehr verrate ich nicht- eine sehr interessante Polemik. So ziemlich jeder möchte den stets gutmütigen Adrian übers Ohr hauen. Die Auflösung habe ich ehrlich gestanden selbst nicht verstanden – meine Zwillingsschwester hat mir auf die Sprünge geholfen. Martin Suter hilft der Leserin hier keineswegs weiter und er ist weit davon entfernt, die Lösung auf dem Präsentierteller zu servieren. Auch wenn ich sehr fürs Mitdenken bin, wären ein paar kleine Hinweise doch hilfreich gewesen. Nachdem ich alle wichtigen Stellen markiert und nochmals gelesen habe, bleibt dennoch eine Frage offen: Adrian Weynfeldt hat sich am Bild zu schaffen gemacht – aber was hat er getan und warum? Ich werde die sonnigen Urlaubstage hier in Vegas nutzen, um bei 40 Grad darüber nachzugrübeln, vielleicht komme ich ja noch drauf – es sei denn, meine grauen Zellen schmelzen dahin.

Wie immer ein äußerst lesenswertes Buch von Martin Suter – ich freue mich schon jetzt auf seinen nächsten Roman!

Bewertung:Rezension: Dagmar Jenner
Seite drucken 2008-07-23

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