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Virus Auto: Die Geschichte einer Zerstörung
Autor: Hermann Knoflacher ISBN: 3800074389
Der Verkehrsexperte und bekennende Autokritiker Hermann Knoflacher analysiert in seinem neuen Buch die verschiedenen Facetten unserer autovernarrten Gesellschaft. Dem Autor ist hierbei ein kritischer, und für manche Gemüter vermutlich sehr radikaler, Einblick in die Geschichte dieses Fortbewegungsmittels gelungen, wobei es sich nicht nur um eine rein technische, sondern auch eine psychologische und sozialpsychologische Geschichte handelt.
Bereits am Titel erkennt man die kritische Einstellung Knoflachers gegenüber dem „Virus Auto“ und er scheut sich auch nicht, diese Meinung direkt und pointiert, streckenweise für meinen Geschmack eine Spur zu überzogen, zu präsentieren. Mit wunderbar spitzer Feder bringt er Fehlentwicklungen auf den Punkt. Viele Freunde wird er sich mit seinen Ansichten wohl nicht machen, denn wer lässt sich schon gerne die Freude am Auto, sei es als Statussymbol oder als flexibles Fortbewegungsmittel, vermiesen.
Der Autor verblüfft mit so unerwarteten Fragen wie jene, warum es in der Natur keine rotierenden Räder gibt und breitet dann die vielen Facetten unserer Auto-Gesellschaft vor den Augen des Lesers aus: die ungeheure Beschleunigung unseres Lebens und deren Auswirkungen; das ständige Wachsen von Österreichs Beton- und Asphaltdecke; die Gewichtszunahme der Autos; die Weltanschauung der autovernarrten 50er Jahre. Und speziell, wer bereits in den USA zu Besuch war, wird mitempfinden können, wie Knoflacher sich gefühlt haben muss, als er die an sich kurze Distanz zwischen Hotel und Tagungsort nur mittels fahrbarem Untersatz überbrücken konnte, da es keinerlei Gehsteige gab, die es gestattet hätten, zu Fuß zu gehen.
Der Autor zeigt in seinem Buch wissenschaftlich begründet, was die Faszination Auto ausmacht und warum wir uns den Millionen Toten, die jedes Jahr verursacht werden, oft alleine aufgrund der Bequemlichkeit und der Möglichkeiten, die das Auto bietet, blind verschließen. Dabei geht unsere Verdrängung so weit, dass wir sogar glauben, mit dem Auto Zeit zu sparen. Aber die Anzahl der Wege, die wir zurücklegen, und die Zeit, die wir dafür benötigen, ist seit Jahrhunderten gleich geblieben. Der Verkehr nahm in den letzten Jahrzehnten zwar gewaltig zu, nicht aber die Anzahl der Wege, sondern meist nur die Länge derselben, analysiert der Autor. So sieht er Mobilität als Ausdruck eines Mangels am Ort. Wenn der Wohnort sich also als ungeeignet für Freizeit und Arbeit erweist, also unattraktiv ist, verlängern sich die Fahrstrecken. Und der Verkehr macht die Landschaften wiederum erneut unattraktiver. Mit anderen Worten: ein Teufelskreis.
Eine höhere Lebensqualität für den Einzelnen und weniger Zerstörung für das Gesamte wären das Ergebnis eines von Knoflacher propagierten Gesundungsprozesses unserer vom Virus Auto befallenen Gesellschaft. Anders formuliert: mehr Lebensraum für den Menschen und nicht für das Auto. Außerdem darf man nicht vergessen, dass das Zeitalter des Autos in relativ absehbarer Zeit zu Ende gehen wird, weil die Erdölvorräte zur Neige gehen. Deshalb müssen wir schon jetzt anfangen, neue Wege zu beschreiten - im wahrsten Sinne des Wortes.
Dem Autor ist ein erstaunliches und absolut lesenswertes Buch gelungen, das ich nicht nur autokritischen Lesern, sondern auch Autoliebhabern ans Herz legen kann. Die einen werden sicher jede Menge Neues zum Thema erfahren, die anderen ihren Lebensstil nach dieser Lektüre vielleicht ein wenig hinterfragen.
Bewertung:     Rezension: Birgit Lehner
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2010-02-28
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