Buchrezension
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American Pastoral

Autor: Philip RothISBN: 0375701427

Für völlig überbewertet halte ich diesen sehr berühmten Roman von Philip Roth (deutscher Titel: „Amerikanisches Idyll“). Auch wenn stilistisch recht gut gelungen – obwohl da und dort ein Aphorismus-Overkill droht – ist es letztlich auch nur eine Familiengeschichte wie hunderte andere auch. Der Klappentext beschwört zwar eine Geschichte über Liebe und Hass in Bezug auf Amerika und jubelt das Buch in symbolische Höhen hoch, die frau bei der Lektüre sehen kann oder auch nicht, aber im Grunde fand ich, dass es sich hier um eine mittelmäßig interessante Geschichte handelt, die der Autor auch noch unglaublich in die Länge gezogen hat. Seymour Levov, Sportskanone und Mädchenschwarm, hat das anscheinend perfekte Leben. Mit etwas platter Symbolik hat ihm der Autor den Beruf des Handschuh-Fabrikanten gegeben – Motto: Die Wahrheit ist nur mit einem sehr dünnen Schleier bedeckt. Blöderweise gerät seine behütete Tochter auf die schiefe Bahn, wird radikale Gegnerin des Vietnam-Krieges und lässt eine Bombe beim örtlichen Postamt in einem Kaff in New Jersey hochgehen und tötet dabei einen Menschen. Dann taucht sie in den Untergrund ab und macht fröhlich weiter mit ihren Attentaten. Fünf Jahre ist sie abwesend und meldet sich nie bei ihren Eltern – nur eine mysteriöse Frau, die behauptet, mit Tochter Meredith in Verbindung zu stehen, taucht auf, um den armen Seymour, genannt „Swede“, zu schikanieren. Irgendwann stöbert Seymour durch einen Tipp dieser mysteriösen dieser Frau auf und findet sie in einem völlig verwahrlosten, aber aus Merediths Sicht erleuchteten Zustand vor. Auch die Rahmenhandlung ist bemüht: Alternder Schriftsteller, der mit dem bedauernswerten Seymour in der Schule war, trifft ihn nach Jahrzehnten wieder – obwohl Seymour dann relativ plötzlich stirbt, erzählt der Schriftsteller die Geschichte seines Schulfreundes, was ich aufbautechnisch für etwas seltsam halte.

Insgesamt habe ich keinen blassen Schimmer, warum dieses Buch den Pulitzerpreis bekommen hat: zu viele quälende Längen und inhaltlich eher wenig Substanz.   

 

 

 

Bewertung:Rezension: Dagmar Jenner
Seite drucken 2009-07-17

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