|
Diablo Guardián
Autor: Xavier Velasco ISBN: 9505118333
In diesem atemlosen, bisher nicht ins Deutsche übersetzten Roman beschreibt der mexikanische Autor Xavier Velasco das wilde Leben eines mexikanischen Mittelklasse-Teenagers namens Rosa del Alba, die aber Violetta genannt werden will. Von klein auf mit einer eigenartigen Disposition ausgestattet, findet sie bald Gefallen daran, andere hinters Licht zu führen, vor ihren Karren zu spannen und ihre körperlichen Reize für ihre Zwecke zu nutzen. Mit ihren Eltern verbindet sie bestenfalls eine Zweckgemeinschaft. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: einerseits in der Ich-Form, wobei es sich hier um Kassetten zu handeln scheint, die Violetta (aus dem Jenseits?) schickt und darauf ihre absolut abgefahrene Lebensgeschichte erzählt. Die zweite Perspektive ist in der dritten Person geschrieben und schildert die Sichtweise eines Mannes mit dem Spitznamen Pig, mit dem sie eine turbulente und intensive Beziehung verbindet. Er ist ihr „Diablo Guardián“, zu Deutsch ihr „Schutzteufel“ (siehe Romantitel). Diese Violetta also beschließt mit zarten 14 Jahren, ihren Eltern über 100.000 Dollar zu klauen (die ihre Eltern wiederum dem Roten Kreuz entwendet hatten) und sich in die USA durchzuschlagen, wo sie sich letztlich in New York City niederlässt, aufgrund ihres exzessiven Shoppings und ihrer Drogensucht bald kein Geld mehr hat und sich als Prostituierte durchs Leben schlägt. Die als sehr stark und unabhängig beschriebene Violetta kann sich bald nicht mehr aus den Fängen eines Freundes/Zuhälters befreien und beschließt nach ein paar Jahren, zurück nach Mexiko zu flüchten, wo ihr fatalerweise nochmals dieser Typ begegnet und sie sich wieder, aus unerfindlichen Gründen, in dessen Abhängigkeit begibt. Wundersamerweise verschwindet auf dem Weg von New York City nach Mexiko auch die Drogensucht der Hauptfigur. Während ihr absurdes Leben in den USA über weite Strecken sehr gut zu lesen ist, beginnt sich der Roman ab ihrer Rückkehr nach Mexiko quälend in die Länge zu ziehen. Ich hatte den Eindruck, es hier mit einem sehr selbstverliebten Autor zu tun zu haben, der sich sehr gerne selbst liest und auch schreibt und einfach nicht zum Ende kommen wollte. Die letzten rund 200 Seiten von stolzen 600 sind dann dementsprechend mühsam. Der Autor schöpft sein sehr umfangreiches Vokabular voll aus, wozu auch sehr, sehr viele mexikanische Wörter gehören, die Spanischsprachigen ohne Mexiko-Erfahrung die eine oder andere Schwierigkeit bereiten dürften. Insgesamt ein streckenweise interessantes, letztlich aber dann doch etwas mühsames Buch.
Bewertung:     Rezension: Dagmar Jenner
Seite drucken
2009-07-06
|