Buchrezension
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Ewig dein

AutorIn: Daniel GlattauerISBN: 3552061819

Keine Sorge, Daniel Glattauer hat keinen Kitschroman geschrieben, wie der Titel suggeriert. Abgesehen davon, dass das nicht sein Genre ist, ist der Titel vielmehr eine gefährliche Drohung.  Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es um eine anfangs vielversprechende Beziehung geht, deren männlicher Teil sich allerdings als Stalker entpuppt. Während ich am Anfang noch oft herzlich gelacht habe über Glattauers erfrischenden Stil, habe ich danach oft richtig heftig geschluckt. Die Geschichte nimmt eine realistische, in ihrer Heftigkeit aber dann doch sehr überraschende Wendung. Die Grenzen verschwimmen, die Frage der Schuld auch, alles entgleitet. Ich bleibe hier bewusst vage, um nicht zu viel vorwegzunehmen. Schmunzeln musste ich dann doch, weil ein männlicher Besucher der Lesung vorgestern Daniel Glattauer fragte, ob er mal vorhat, ein richtig kontroversielles Buch zu schreiben. Während ich persönlich meine, dass der Autor mit „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ alles andere als Konventionelles geschrieben hat – besonders, was die Form betrifft – und mit seinem Frühwerk „Darum“ auch ein sehr verstörendes Buch vorgelegt hat, so ist sein neuer Roman so ziemlich alles andere als ein „Feel-Good-Buch“. Und damit vielleicht genau das, was sich der Leser wünschte. Der wird Augen machen.

Apropos Lesung: Das prall gefüllte Odeon-Theater in Wien erlebte einen prächtig gelaunten, bescheidenen, witzigen und authentischen Daniel Glattauer. So kannte ich ihn auch von kleineren Auftritten als lokale Journalismus-Größe, bevor er Bestseller-Autor wurde. Wenig überzeugend war wiederum die Gesprächsführung der Moderatorin und „Standard“-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid. Die Palette ihrer Wortmeldungen reichte von Einwürfen in peinlich-kokettem Girlie-Ton („Was müssen wir tun, damit du wieder zum Standard  kommst, Daniel?“) bis zu einer inhaltlich bedenklichen Aussage. Sie warf ihrem ehemaligen Mitarbeiter (Glattauer war 20 Jahre Journalist beim „Standard“) vor, in seinen damaligen (legendären!) Gerichtsreportagen  bei der Berichterstattung über Stalking-Prozesse Partei für das (natürlich weibliche) Opfer ergriffen zu haben. Abgesehen davon, dass 100%ige Unparteilichkeit bei Gerichtsberichterstattung schwierig bis unmöglich ist: Hätte er bitte Partei für den Täter ergreifen sollen? Das sind wirklich erstaunliche Worte, vor allem aus dem Mund einer Frau.
Von diesen Ärgernissen mal abgesehen, war es ein toller Abend. Daniel Glattauer kann übrigens auch erstaunlich gut aus seinen eigenen Werken vorlesen. Zurück zum aktuellen Werk: Es wundert mich nicht, dass der Autor über einen Zeitraum von vier Jahren daran gearbeitet hat und es immer wieder zur Seite gelegt hat. Wenn schon die Lektüre heftig war, muss der Schreibprozess es umso mehr gewesen sein. Nach der letzten Seite und der überraschenden Wende ist sich die Leserin nicht ganz sicher, nicht das eine oder andere überlesen zu haben – und möchte gleich wieder von vorne anfangen. Kein Buch für triste Wintertage, aber eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
Laut eigener Aussage überlegt Daniel Glattauer übrigens schon, wohin die Reise bei seinem nächsten Werk geht. Vielleicht wird es ein Theaterstück. Die manchmal ausgefallene Dialoggestaltung bei „Ewig dein“ könnte schon mal eine Fingerübung dafür gewesen sein.
Überraschend, aber erfrischend ehrlich fand ich, dass Daniel Glattauer auf meine diesbezügliche Frage antwortete, dass er selbst wenig Literatur liest. Aber wenn, dann hat er Geschmack. Er erwähnte Ian McEwan, dessen Literatur ich persönlich auch sehr schätze, siehe hier und hier.

Bewertung:Rezension:
Seite drucken 2012-02-03

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