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Die Augenblicke des Herrn Faustini
AutorIn: Wolfgang Hermann ISBN: 385218696X
Dieser dritte Faustini-Band von Wolfgang Hermann ist gleichzeitig mein erster. Glücklicherweise handelt es sich um keine Trilogie mit hochgradig komplexem Plot, die den Einstieg bei Band 3 unmöglich macht. Was auch immer Herr Faustini in den ersten zwei Bänden erlebt haben mag, ist wahrscheinlich so unerheblich wie das, was er in Band 3 erlebt. Apropos: Faustinis Erlebnisse mögen für Außenstehende unerheblich sein, für ihn selbst sind sie aber von transzendentaler Relevanz. Schließlich bricht er nach einigen Psychotherapie-Sitzungen zur Selbstfindung auf. Bei dieser Reise trifft er auf eigenartige Gestalten, die einen Teil seines Weges begleiten. Dieser Faustini ist eigentümlich, sinniert über kuriose Dinge. Er kann wohl mit Fug und Recht als eigenbrötlerische Person bezeichnet werden. Was bei ihm im Argen liegt, ist die Tatsache, dass er meint, „einen Riss“ in seinem Leben zu spüren. Damit reiht er sich für mich in die lange Abfolge irgendwie wohlstandsverwahrloster Menschen ein, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen – und über die ich bereits hunderte Male gelesen habe. Selten gingen mir diese Beschreibungen nahe, die sich oft durch gesteigerten Zynismus gegenüber der Welt im Allgemeinen und Herablassung gegenüber den übrigen Menschen im Besonderen auszeichneten. Ein verallgemeinertes Sich-im-eigenen-gefühlten-oder-tatsächlichen-Unglück-Suhlen scheint auf der Tagesordnung zu stehen. Mich selbst konnte ich auch in Herrn Faustini nicht finden.
Dementsprechend wenig konnte ich dann auch mit Herrn Faustinis Ausführungen anfangen, auch wenn sie wohltuend poetisch und stilistisch gelungen daherkommen. Anflüge von Sympathie seitens der Leserin verspielt sich Faustini, als er sich über (letztlich erfolgreiche) Versuche der ehemaligen österreichischen Frauenministerin mokiert, auch die Frauen in die Bundeshymne hineinzureklamieren. Schließlich besteht das Land nicht nur aus Söhnen, sondern auch aus Töchtern. Herr Faustini findet das lächerlich. Jede Wette, dass auch der eher phlegmatische Herr Faustini auf die Barrikaden steigen würde, wenn er als Exzentrikerin oder Träumerin bezeichnet würde – oder als Tochter Österreichs. Bewertung:     Rezension: Dagmar Jenner
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2012-04-30
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