Buchrezension
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Half-Broke Horses

Autor: Jeannette WallsISBN: 1416586288

Laut der stets sehr kritischen „New York Times Book Review“ ist diese „true-life novel“ eines der 10 besten Bücher des Jahres 2009 – was mich angesichts der mangelnden literarischen Qualität überrascht, angesichts der faszinierenden Lebensgeschichte, die dank ihrer Simplizität einen schönen Kontrapunkt zu unserem durchtechnologisierten Leben bildet, dann aber auch wieder nicht.
Lily Casey Smith, geborgen Anfang des 20. Jahrhunderts in Texas, erzählt hier in einer sehr simplen Sprache, bei der nichts, aber rein gar nichts interpretiert oder analysiert werden muss, ihre Lebensgeschichte. Und die hat es in sich, vor allem in Bezug auf ihre völlig aus der damaligen Zeit fallende Frauenrolle. Lily tut und lässt was sie will, schafft es von einer sehr bescheidenen Ranch in Texas zur Miteigentümerin einer der größten Farmen in Arizona, unterrichtet schon als Teenager in einer Dorfschule, reitet alleine durch die Lande, lernt Autos zu fahren und Flugzeuge zu fliegen. Sie holt ihren Schulabschluss nach, studiert und unterrichtet in einer High School. Sie hat eine äußerst scharfe Zunge, lässt sich nichts gefallen und ist sehr, äh, bauernschlau. Sie schlägt sich in Chicago, Illinois genauso durch wie in Phoenix, Arizona. Auch wenn das Ganze recht sympathisch ist, so wirkt es manchmal, da in der 1. Person erzählt, doch ein wenig selbstherrlich bzw. selbstgerecht. Negativ aufgefallen ist mir auch ihre sehr harte und strenge Seite als Mutter von zwei Kindern, die in starkem Kontrast zu ihrer sehr liebevollen und fürsorglichen Selbstbeschreibung gegenüber ihren Geschwistern steht.
Dennoch: Dieses Buch liest sich locker-leicht, ist aufgrund der außergewöhnlichen Frau, die alles schafft, was sie sich vornimmt, faszinierend. Vielleicht raffen sich ja auch ein paar Teenies, also das typische Publikum für „Twilight“ (würg), auf, dieses Buch zu lesen – wonach sie feststellen werden, dass das weibliche Leben nicht darin bestehen muss, voller Passivität nach einem Vampir zu schmachten, der ihnen den Tod, aber gleichzeitig so etwas Idiotisches wie ewige Liebe bringen wird. 10 Sterne allein fürs Frauenbild in diesem Roman!
Die deutsche Übersetzung liegt bereits vor und lautet „Ein ungezähmtes Leben“.

Bewertung:Rezension: Dagmar Jenner
Seite drucken 2010-07-27

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