Buchrezension
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Inferno

AutorIn: Dan BrownISBN: 0385537859

Der etwa hochnäsige Buchkritiker der ZEIT bezeichnete den neuen Roman von Dan Brown als „charmante Unterhaltungsliteratur“. Wenn das keine Adelung ist! (Achtung, die Rezension verrät eine Menge über die Handlung.) Der Rezensent räumte auch unumwunden ein, dass er bisher nichts von Dan Brown gelesen hatte. Hätte er das getan, wäre ihm das bewährte Strickmuster aufgefallen. Aber letztlich ist es absolut legitim, ein einmal bewährtes Muster erneut einzusetzen – schließlich ist „Sakrileg“, besser bekannt unter dem englischen Titel „The Da Vinci Code“, eines der meistverkauften Bücher aller Zeiten. Auch ich habe es damals verschlungen. Damals, ja, da war alles noch ganz neu, da trafen wir zum ersten Mal auf den hochkompetenten und leicht schrulligen Harvard-Professor für „Symbolforschung“, Robert Langdon. Mittlerweile fühlt er sich schon an wie ein langjähriger Bekannter und es prickelt nicht mehr ganz so zwischen ihm und der Leserin. Aber gut, das ist der Lauf der Dinge.

Ein Buch von Dan Brown braucht vermutlich keine wirklich aufwändige PR. Dennoch bekam es schon im Vorfeld sehr viel Aufmerksamkeit, weil anscheinend die Übersetzungen in einem geheimen Bunker in der Nähe von Mailand von Übersetzerinnen und Übersetzern angefertigt wurden, die zwischen Hotel und Bunker hin- und herchauffiert wurden und natürlich zu strengster Verschwiegenheit verpflichtet waren. Ihre persönlichen Kommunikationsgegenstände wurden ihnen angeblich abgenommen und Internetzugang gab es nur unter Aufsicht. Diese Geschichte möchte ich bei Gelegenheit überprüfen  und eventuell ein Interview mit den ÜbersetzerInnen der deutschen Fassung ergattern, und zwar für die Mitgliederzeitschrift des österreichischen Berufsverbandes für Dolmetschen und Übersetzen, UNIVERSITAS Austria.
 
Wo beim „Da Vinci Code“ sich alles um Paris, Leonardo da Vinci und die katholische Kirche dreht, stehen diesmal die „Göttliche Komödie“ von Dante, Florenz, Venedig etc. im Mittelpunkt. Die Leserin merkt, wie bewandert der Autor in all diesen Belangen ist. Abgesehen von einem sehr spannenden und flott zu lesenden Thriller bietet der Roman auch noch einiges an Bildungsmöglichkeiten in Sachen Literatur, Kunstgeschichte und Architektur.  Wie im berühmten Vorgängerwerk kommt auch hier Robert Langdon wie die Jungfrau zum Kinde und muss ein mysteriöses Rätsel lösen. Auch jetzt geht es um Leben und Tod und die halbe Welt scheint ihm auf den Fersen zu sein. Blöderweise leidet er infolge einer Kopfverletzung an temporärer Amnesie und kann sich beim besten Willen nicht mehr erklären, wie es ihn nach Florenz verschlagen hat. Nach und nach kehrt die Erinnerung zurück.
 
Es ist ein guter Ansatz, Unterhaltungsliteratur nicht an den Maßstäben anspruchsvoller Literatur zu messen. Dennoch tun die iSchläge in die stilistische Magengrube weh; überwiegend bei den Dialogen (Robert, wir haben ein Problem!"). Anders als der ZEIT-Rezensent fand ich die Figuren nicht gut herausgearbeitet. Wie so oft ist Robert Langdon der grenzgeniale Symbolforscher mit dem fotografischen Gedächtnis und an seiner Seite macht es sich eine Frau mit einem IQ von über 200 bequem, die mehr als locker mit ihm mithalten kann. Starke und intelligente Frauen in der Literatur begrüße ich natürlich ausdrücklich; allerdings erscheinen mir die Charaktere von Dan Brown dann doch etwas holzschnittartig – auch wenn die Grenzen zwischen Gut und Böse immer wieder verschmelzen. Ich verrate kein großes Geheimnis, wenn ich sage: Robert Langdon, der Uni-Prof mit der Mickey-Maus-Uhr, ist immer einer der Guten.
 
Insgesamt also auf jeden Fall eine Leseempfehlung von mir, auch wenn der Zauber des Anfangs etwas verblasst ist. Wer bisher nichts von Dan Brown gelesen hat, wird sicher genauso positiv überrascht und angetan sein wie der Rezensent der ZEIT.

Bewertung:Rezension:
Seite drucken 2013-06-01

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