Buchrezension
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Room

AutorIn: Emma DonaghueISBN: 0316183873

Dieser Roman hat mir im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf geraubt. Auch wenn ich großen Wert auf meinen Schönheitsschlaf lege, bereue ich die Lektüre nicht. Ganz im Gegenteil! Es ist ein schockierendes, aufwühlendes, dann auch wieder inspirierendes Buch.  Lose angelehnt an die schrecklichen Verbrechen in Amstetten – Stichwort Fritzl – und anderswo auf der Welt (leider gibt’s solche Gestörte nicht nur in Österreich), hat die Autorin sich dafür entschieden, die Geschichte einer Gefangenschaft aus den Augen eines fünfjährigen Kindes zu erzählen … als logische Folge auch mit dessen Stimme. Das ist ein gewagtes Unterfangen, wie auch andere Rezensentinnen vor mir bereits anmerkten.  Die ersten paar Seiten des kindlichen Blablas, Grammatikfehler natürlich inklusive, garniert mit Naseweis-Aussagen, sind dementsprechend nervtötend. Nach einiger Zeit gewöhnt sich die Leserin allerdings daran und ist irgendwie auch dankbar, weil die naive Kindersprache das Grauen nicht beim Wort nennt bzw. nennen kann. Schließlich ist es in Gefangenheit geboren, als Kind seiner Mutter, die im Alter von 19 Jahren von „Old Nick“ entführt wurde, seither gefangen gehalten und regelmäßig vergewaltigt wird. Alleine die diesbezüglichen Andeutungen des kindlichen Ich-Erzählers erfüllten mich mit unbändigem Hass auf solche Monster und lässt mich innerlich nach mittelalterlichen Bestrafungsmethoden rufen. Vor allem deshalb, weil diese Monster ja nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln existieren, sondern in der realen Welt da draußen. 

Anders als der Klappentext suggeriert, habe ich diesen Roman weniger als Beschreibung überbordender Mutterliebe gelesen, sondern als den unbändigen Drang zu überleben. Es ist berührend, welche Welt sich die beiden in dem winzigen Zimmer, in dem sie eingesperrt sind, erschaffen. Wie die Mutter den Tag strukturiert und damit wohl vermeidet, verrückt zu werden. Und die Hoffnung nicht aufgibt, irgendwann aus der Gefangenheit zu entkommen. Ohne hier zu viel zu verraten, ist auch der zweite Teil des Buches sehr faszinierend und wirft einige Fragen über das moderne Zusammenleben auf, über unbequeme Opfer, die sich nicht erwartungskonform verhalten (hier fällt mir Natascha Kampusch ein). Also noch einmal: eine verstörende Lektüre über das Böse im Menschen, aber auch über den Triumph des Menschlichen. Wärmste Leseempfehlung.

Bewertung:Rezension:
Seite drucken 2012-01-17

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